· 

Coromandel - Rotorua - Tongariro: die zweite Woche

Alleine reisen ist an manchen Tagen etwas ganz Besonderes. An bestimmten Tagen wird einem besonders deutlich, was bzw. wen alles man zuhause zurück gelassen hat. Weihnachten und Sylvester 2015 in Neuseeland war das so … Weihnachten bis 22 Uhr in kurzer Hose am Lake Wanaka, irgendwie fehlten für die passende Stimmung Kerzen, Schmuddelwetter und natürlich Familie und Freunde. Diesmal war es nicht Weihnachten, sondern mein Geburtstag, der noch dadurch „versüßt“ wurde, dass es der erste richtig ungemütliche Tag mit viel Regen war.

Eigentlich wollte ich den gemütlich auf Coromandel verbringen, aber im Norden habe ich mich doch länger als geplant aufgehalten, und so war ich noch in Tutukaka (gut 2 Stunden nördlich von Auckland), als der Tag anbrach.

Es war Sonntag, und da in Neuseeland die meisten Läden sonntags geöffnet haben, beschloss ich, mir ein Geburtstagsgeschenk in Form eines besonderen Startrackers zu machen, den ich bei einem kurzen Zwischenstop in Auckland mitnehmen wollte. Hoffentlich ermöglichen klare Nächte rund um die beiden kommenden Neumonde auch einen intensiven Einsatz des Teils.

Nach diesem Zwischenstop ging es dann weiter bis nach Thames, wenn man so will dem Tor zu Coromandel Halbinsel. Viel ging an diesem Tag nicht mehr, zu viele Autokilometer, zu viel Regen. So war ich froh, als am späten Nachmittag mein Zelt stand (zwar kein schöner Platz zum Zelten, aber immerhin gute Infrastruktur).

Wäsche waschen war auch mal angesagt, Geburtstag hin oder her. Und während die Maschine lief, gingen die ersten Nachrichten aus Deutschland ein. Dort war ja jetzt erst morgen. Es tat gut, die guten Wünsche von Freunden und Familie zu sehen.

Am nächsten Morgen nach einer nassen Nacht bin ich dann schnell aufgebrochen in den Coromandel Forest Park und habe dort eine Wanderung gemacht. Den Cookson Kauri Walk zu dem größten Kauri Baum auf der Halbinsel. Wenngleich der Baum als solcher nicht so imposant wie die Exemplare an der Kauri Küste im Norden war, so war seine Lage an einer Bergflanke mit Blick über die Hügel doch außergewöhnlich. Außerdem war die Wanderung durch den Urwald entlang eines schönen Wildbachs schon für sich alleine ein Genuss für Körper und Sinne. Die Geräusche der Vögel in diesen Wäldern sind so anders als in unseren heimischen Wäldern, dass schon alleine dies die Sinne fesselt.

Der Plan war dann eigentlich, Richtung Cathedral Cove weiter zu fahren, einer Felsbrücke/Felshöhle an der Ostküste der Halbinsel. Dort wollte ich die Abendstimmung und die hereinbrechende Nacht fotografieren. Leider sind die Wege dorthin derzeit gesperrt, weil es Erdrutsche gab, und die Bootsverbindung geht natürlich dann nicht mehr, wenn das Licht schön wird. Also etwas weiter südlich in Opoutere einquartiert und dort den Abend und Morgen am Strand genossen. Einsam gelegen, nicht so überlaufen wie der Hot Water Beach und Cathedral Cove, war das eine Wohltat.

Am nächsten Tag ging es dann vorbei an einigen Wasserfällen bis nach Rotorua inmitten der vulkanisch aktiven Zone Neuseelands. Den Ort hatte ich auch vor 8 Jahren schon besucht. Damals wie heute hat er mich nicht so in Bann gezogen. Vielleicht weil ich durch die zahlreichen Thermalgebiete in Island verwöhnt bin, vielleicht weil mich die ganze Vermarktung nervt. Während ich in Island am Geysir morgens um 5 den Sonnenaufgang erleben kann, hat man hier Öffnungszeiten von ca. 8.00-15.00 Uhr, die ja eigentlich gut passen, aber zum Fotografieren alles andere als optimal sind. Eines dieser Thermalgebiete habe ich mir auch diesmal angeschaut, und zwar das volcanic valley bei Waimangu. Mit dampfenden Kraterseen, einem warmen Fluss und zahlreichen heißen Quellen … am besten haben mir die Warbrick Terraces gefallen.

Weiter ging es nach einem kurzen Zwischenstop an einem warmen Fluss bei Wai-O-Tapu Richtung Taupu. Eigentlich wollte ich in dem Fluss baden, aber es wurde vor Erregern gewarnt, die Hirnhautentzündung auslösen könnten, wenn der Kopf unter Wasser kommt. Da ich aber eine Verletzung am Fuß habe und mir nicht klar bin, ob das auch so zu Problemen führen könnte, habe ich mir das Bad vorsichtshalber verkniffen. Ich wollte nicht, dass es mir erneut wie in Korsika ergeht, wo mich zunächst eine Virusgrippe und dann ein bakterieller Infekt für 1 1/2 Wochen deutlich eingeschränkt hatten.

Über Taupo ging es dann auch gleich weiter Richtung Tongariro National Park. War eigentlich so nicht geplant, aber die Straße entlang des Sees war wegen Bauarbeiten vormittags lange gesperrt und ab dem Nachmittag frei. Also direkt weiter gefahren.

In Tongariro habe ich dann zwei Nächte verbracht und mir vorgenommen, das häufiger zu machen. Entweder weniger Kilometer oder längere Aufenthalte. Zwar sieht man etwas weniger, aber das dafür dann intensiver. Und als ich abends aus dem Zelt mal raus bin auf Toilette … wow. Was für ein Nachthimmel. Eigentlich war ich noch darauf eingestellt, ein paar Tage zu warten, bis das Zentrum der Milchstraße gut zu sehen ist, weil der Mond dann nicht mehr stört. Aber der Bereich der Milchstraße rund um das Sternbild Crux (das man bei uns im Norden nicht sehen kann) war klasse und der Mond in den frühen Nachtstunden noch nicht aufgegangen.

Also den Startracker ausgepackt und nach etwas Fummelei mit der App, dann auch zum Laufen gebracht. Toller Nachthimmel und relativ unkomplizierte Nachführung hier auf der Südhalbkugel. Die ersten Stunden unter dem Sternhimmel direkt bei meiner Unterkunft haben auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht. Und das kommt ja hoffentlich auch bald, da der Februar Neumond näher rückt.

Am nächsten Morgen habe ich dann verschlafen … oder der Körper hat sich genau das genommen, was er braucht. Für das Tongariro Alpine Crossing, das ich aber vor 8 Jahren schon gemacht habe, war es zu spät und für den Folgetag war Regen, Wind und sogar Schnee gemeldet. Also eine kleinere 5 Stunden Wanderung zu den Taranaki Falls und weiter hoch in den Nationalpark gemacht und den Rest des Tages für etwas Entspannung und einen angeregten Austausch mit zwei Weltreisenden aus Berlin genutzt. Etwas Slowdown tut auch mal gut, ich wünschte, dass mir das leichter fallen würde.