Hraunfossar - Kaldidalur - Geysir

kleine Eruption des Strokkur Geysirs im ersten Morgenlicht
kleine Eruption des Strokkur Geysirs im ersten Morgenlicht

Nach dem Ruhetag in Borgarnes, der gleichzeitig ein Regentag war (praktischer Zufall), bin ich 65km über Reykholt, wo der Verfasser der mittelatlerlichen Edda lebte, einer bedeutenden isländischen Saga, nach Husafell gefahren. Husafell würde man in Deutschland vermutlich als Sommerfrische bezeichnen, wobei es da wirklich frisch war. Das Hochtal liegt westlich des Langjökull Gletschers und wird nach Süden vom Gletscher Ok begrenzt. Dennoch gibt es dort das, was die Isländer Wald nennen. Für uns vermutlich eher etwas groß geratene Büsche.

Aber für das Auge eine willkommene Abwechslung und praktisch, wenn es dem Zelt Windschatten bietet.

Wenige Kilometer vor Husafell liegen die sog. Hraunfossar, kleine Wasserfälle, die direkt aus einem Lavafeld austreten und dann in den darunter fließenden Fluss fallen. Und das über mehrere hundert Meter.

Ein schöner Ort, wenngleich ziemlich überlaufen und mit deutlich mehr Absperrungen als ich das in Erinnerung hatte. Vermutlich dienen die dem Zweck, die Touristen vor dem eigenen Mut, der mit Unerfahrenheit im Gelände gepaart sein kann, zu schützen. Und natürlich auch dem Schutz der Vegetation, den Island ist durch die nur dünne Vegetation mit wenig Wurzelwerk und die häufig recht lockeren Vulkanböden der Erosion besonders ausgesetzt.

Insgesamt war dieser Tag eher trüb mit einigen Schauern und viel Gegenwind. Dementsprechend müde und auch etwas ausgekühlt war ich abends in Husafell und froh, in meinen Schlafsack zu kriechen, zumal tags drauf eine Etappe anstand, vor der ich Respekt hatte.

Nämlich das Kaldidalur, das „kalte Tal“, das bis auf 733m heraufführt und seinem Namen alle Ehre macht. Nach dem isländischen Winter und Frühjahr wurde die Hochlandpiste erst vor ein paar Tagen geöffnet. Insgesamt 65km Schotterpiste waren als das Programm für diesen Tag, der Anstieg erst sehr ruppig, so dass in den kleinen Gängen regelmäßig das Hinterrad auf dem losen Untergrund durchdrehte und man dann unweigerlich schieben musste, bald aber flacher. Mitunter ärgerlich und von vielen Radfahrern beklagt ist, dass man offenbar genau an diesen Stellen für andere Reisende zu einem Teil der Attraktionen Islands wird, die man dann hemmungslos und meist ohne zu fragen fotografieren darf. Bei mir so im Kaldidalur an einem Steigunsstück von 15% auf Schotter passiert, das ich mich gerade hochquälte, als mich ein Motorradfahrer überholte, der oben Halt machte und dann genüsslich die Kamera auspackte um festzuhalten, wie man sich als Radler an solchen Stellen quält. Bevor ich oben angekommen war, hatte er die Kamera schon wieder weg gesteckt und war weitergedüst, nicht ohne die dann übliche Staubwolke zu hinterlassen.

Schön war aber, dass dieser Tag endlich mal den lange ersehnten Rückenwind brachte. Stellenweise konnte man die Windböen insofern spüren, als dass sie das Pedalieren für einen kurzen Moment deutlich leichter gemacht haben und dem Bike ordentlich Schub verpasst haben. Nach 23km war der höchste Punkt erreicht, die Abfahrt mit Rückenwind stellenweise rasant, aber immer mit höchster Konzentration zu fahren, da es Schlaglöcher, Querrillen und sandige Bereiche, die dem Reifen nicht ausreichend Halt liefern, gab. Die 44km vom höchsten Punkt bis nach Thingvellir fluppten dann aber ganz gut.

Müde bin ich dort angekommen und habe mein Zelt aufgeschlagen. Diesmal habe ich eher die nördlichen Bereiche der Spalten erkundet und dort abends und morgens nochmal eine kleine Runde gedreht.

Gestern ging es dann knapp 60km bis nach Geysir, ab Laugarvatn wieder 35km bei heftigem Gegenwind. Da es auch Baustellen gab, wurde einem dort der Staub richtig ins Gesicht geweht, wenn die ganzen Wagen Richtung Geysir entgegenkamen bzw. überholten. Tagsüber die erwarteten Touristenströme - gehört der Strokkur Geysir, das sog. "Butterfass", doch zu den meist besuchten Naturschönheiten der Insel.

Wer den Strokkur und seine brodelnde Kraft in Ruhe genießen möchte, dem sei empfohlen, früh morgens vor Ort zu sein. Zum Sonnenaufgang war ich völlig alleine und konnte die Majestät dieses Naturwunders ganz unverfälscht auf mich wirken lassen.

Dem brodelnden und kochendem Wasser im tiefen Schacht des Geysir zuzuschauen, zu sehen, wie sich das Wasser hebt und dann wieder fällt um sich dann einer blauen Blase gleich aufzuwölben, bis die Oberflächenspannung des Wassers nachgibt und die Wassersäule tosend dem Himmel entgegen schießt. Ich liebe diese Momente, in denen man die Schönheit und Kraft der Natur so unmittelbar erfahren kann. Die Serie unten, die den Ablauf einer solchen Eruption bis zu ihrem Höhepunkt zeigt, kann hoffentlich einen gewissen Eindruck dieses Naturschauspiels vermitteln.

Heute ging es dann trotz Gegenwind noch einmal zum Gullfoss bei unspektakulärem Licht und dann in südlicher Richtung bis Laugarvatn, wo sich derzeit Unmengen kleiner Fliegen/Mücken tummeln, (die nicht stechen) aber um einen herum surren und überall hin kriechen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Marcus H. (Sonntag, 19 Juli 2015 10:58)

    Herzlichen Dank für diesen umfassenden Bericht und die Eindrücke in die Besonderheiten eines ganz faszinierenden Landes. Die Bilder solltest du vielleicht mal einem Reiseveranstalter verkaufen ;) Im Katalog schaut Island so karg und recht langweilig aus...

    Wünsche dir noch ganz viele spannende Momente!

    Liebe Grüße,
    Marcus