Kathmandu - Jiri - Lukla

Ein Wechselbad der Gefühle! Seit einigen Tagen bin ich jetzt im Everest-Gebiet unterwegs, genau genommen noch auf dem Weg dorthin, da ich nicht in Lukla auf 2800m starten wollte, sondern die alte und deutlich längere Route von Jiri aus laufen wollte. So haben wir vor einigen Tagen einen Bus bis Jiri genommen, einen Local Bus, da die Touristenbusse für über eine Woche ausgebucht waren. Local-Bus-Fahrten sind ja immer ein Erlebnis, in Zeiten der Treibstoffknappheit trifft dies aber allemal zu. Von Kathmandu gerade mal 30km gefahren, haben wir fast 3 Stunden an einer Tankstelle gestanden und auf Treibstoff gewartet. Etwa 2 ½ Stunden wurden damit verbracht, dass Busfahrer, Tankstellenbetreiber und Polizei darüber beraten haben, wer als erstes Treibstoff tanken darf und wieviel. Glücklicherweise wurde entschieden, dass die Busse, die die längste Strecke zurücklegen müssen, als erstes Diesel tanken durften. Da Busse derzeit in Nepal nur selten fahren, war das Gefährt nicht nur bis unters Dach voll beladen, auch auf dem Dach saßen Menschen und das über viele Stunden hinweg. Zunächst war die Stimmung dort oben klasse, es wurde jedem Fahrzeug zugejubelt, aber nach etlichen Stunden Fahrt liefen dann die Bröckchen mit säuerlich riechendem Mageninhalt an den Scheiben des Busses herunter, so dass unten im Bus die Scheiben geschlossen wurden. Insgesamt hat die Busfahrt von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends gedauert und ist damit die längste Busfahrt, die ich je in Nepal hatte. Gut durchgeschüttelt, kamen wir also in der Dunkelheit in Jiri, dem Ausgangspunkt unserer Wanderung, an.

Die Strecke bis ins eigentliche Everest-Gebiet läuft quer zu den Himalaya-Flusstälern, weshalb man da schon ordentlich Höhenmeter macht, der Weg bis Lukla ist ein einziges Auf und Ab. Aber so kommt man besser akklimatisiert in den höheren Höhen an und hat schon etwas für die Ausdauer getan.

Zudem ist die Landschaft auf diesen ersten 6 Etappen bis Lukla wirklich schön und abwechslungsreich und dabei ganz anders als die niedrigeren Regionen im Annapurna Gebiet, das ich vorher durchwandert habe. Das Klima ist etwas kühler und offenbar auch trockener. Es gibt schon in niedrigeren Höhen Nadelwälder, anstelle von Reis wird auf den Terrassen meist Buchweizen angebaut. Solu Khumbu ist zudem deutlich zersiedelter als die Annapurna-Region. Insgesamt also eine landschaftliche und kulturell interessante Ergänzung zu den Eindrücken vom ersten Trek.

Warum also Wechselbad der Gefühle? Weil diese Region vom zweiten schweren Beben in diesem Frühjahr, das sich etwa 2 Wochen nach dem ersten ereignete und dessen Epizentrum zwischen Kathmandu und Namche Bazaar im Everest-Gebiet lag, besonders getroffen wurde. Von weitem sahen die Dörfer pittoresk aus, kam man dann aber näher, konnte man die immensen Schäden an der Bausubstanz sehen. Es war irgendwie bedrückend durch die Dörfer zu laufen und die eingestürzten oder schwer beschädigten Häuser zu sehen. Aber auch beeindruckend zu sehen, dass in dieser kurzen Zeit schon sehr viel wieder neu aufgebaut wurde. So haben wir, da wo möglich, in nagelneuen Lodges gegessen bzw. geschlafen, schon alleine deshalb um so die Arbeit und die Investitionen dieser Menschen nach dem Beben zu würdigen.

Die Eintrittsgebühr für den Gaurishankar Nationalpark mussten wir nicht zahlen, weil wir mit die ersten Wanderer in dieser Region nach dem Beben waren. Überall hat man uns mit großer Freundlichkeit und Herzlichkeit empfangen, was mich zunächst überrascht hat. Dann aber hat mir ein Lodgebesitzer erklärt, dass die Wanderer, die ja auch Geld bringen, ein Hoffnungsschimmer sind und in gewisser Weise ein Stück Normalität in die vom Beben gebeutelte Region zurückbringen.

Bergsichten gibt es in den ersten Tagen vereinzelt, so von Deorali auf den Langtang-Himal, auch den Gaurishankar und den Everest (allerdings nur klein) kann man in den ersten Tagen bei gutem Wetter sehen.

Die Wege sind meist gut ausgebaut, nur zwischen Ringmu und Nunthala ist der Weg von Eseln und Maultieren regelrecht kaputt getrampelt worden. Offenbar sind die Tiere an schwierigen Wegstellen zudem besonders gestresst und haben dann Probleme ihren Schließmuskel zu kontrollieren, denn an genau diesen Stellen war der Pfad von ihren Hinterlassenschaften besonders stark „gepflastert“. So war dort doppelt Vorsicht geboten, zum einen musste man sich auf die Beschaffenheit des sehr schlechten und matschigen Weges kontrollieren, zum anderen eine Art Eselkacke-Hindernis-Parcours laufen.

Hinter Nunthala kommt man im Tal des Dudh Kosi (des Milchflusses) an, der dann in nördlicher Richtung bis zum Everest führt. Von Nunthala kann man in 1 ½ Tagen Lukla erwandern, den kleinen Flughafen, der für die meisten Wanderer Ausgangspunkt für den Everest-Trek ist. Die letzten Tage waren aber insgesamt sehr schön ruhig und entspannt. Ich bin auf den Rummel in den Bergen gespannt.

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