Bhaktapur - Bisket Jatra Festival

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Newari Neujahr (die Newar sind die größte Volksgruppe im Kathmandutal) wird in Bhaktapur, der kleinsten und gemütlichsten der drei alten Königsstädte im Tal, das sogenannte Bisket Jatra Festival gefeiert, das sich über mehrere Tage hinzieht.

Das ansonsten beschauliche Stadtzentrum Bhaktapurs füllt sich am ersten Tag mehr und mehr mit Menschen, die dem Beginn der Feierlichkeiten entgegen fiebern.

Zunächst wird ein kleiner hölzerner Tempel auf Rädern von Kindern durch die Stadt gezogen. Dann findet ein Weitstreit zwischen Ober- und Unterstadt statt. Ein größerer Holztempel auf Rädern, an dessen beiden Seiten dicke Taue angebracht soll in das jeweilige Stadtviertel gezogen werden. Das Ganze ähnelt einem riesigen Tauziehen.

Dabei gleicht die Stimmung auf dem Nyatapola Platz, auf dem das Spektakel stattfindet, der io einem Stadion bei einem richtig Fußball-Krimi.

Nach dem ersten Höhepunkt schien es, als müsste die Stadt erst einmal durchatmen. Die zwei folgenden Tage verliefen relativ ruhig. Nur an den zahlreichen Eis- und Luftballonverkäufern konnte man erkennen, dass das Leben in der Stadt nicht seinen völlig gewohnten Gang nimmt. Zudem wurden am Platz zu Füßen des Nyatapola Tempels auffallend viele Hühner und Hähne verkauft. Aber in den Gassen um den Durbar Square war davon nichts zu spüren.

Das änderte sich am Morgen des vierten Tages des Bisket Jatra Festivals. Der Hotelbesitzer riet mir dazu, früh aufzustehen und an den hölzeneren Festwagen zu gehen. Unterhalb des Nyatapola Tempels war noch alles ruhig. Ein paar ältere Menschen saßen dort und genossen die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Nur hundert Meter weiter dann eine völlig andere Welt. An dem mit einer Hindu-Gottheit geschmückten Festwagen wurden zahlreicher Opfer dargebracht. Meist Reis, Blumen, Eier ... aber auch die an den Vortagen gekauften Hühner. Diese wurden von einer Gruppe Halbstarker auf dem Tempelwagen geköpft, dann das Blut über dem Tempel verteilt und Kopf und Körper schließlich den Besitzern zurück gegeben, die sich für diese "außergewöhnliche" Art der Schlachtung mit einer Geldspende bedanken. Den Jugendlichen, die die Hühner töteten war in den Augen eine Mischung von Abscheu und Faszination anzusehen. Mir ging es ähnlich, wobei die Abscheu dann doch überwog. Allerdings sei angemerkt, dass die Tiere mit Sicherheit auch verspeist werden.

Ob unsere anonyme Massentierhaltung artgerechter ist, möchte ich nicht bewerten, mich aber auch nicht zum Moralapostel erheben, der religiöse Handlungen einer alten und bedeutenden Religion bewertet.

Aber es geht nicht nur blutig zu. Insgesamt wird das neue Jahr, nach nepalischer Zeitrechnung 2073, mit viel sportlichem Elan angegangen, wenn man das so sagen kann. Ähnlich wie bei uns zum 1. Mai werden mächtige geschmückte Festbäume in den Himmel gewuchtet. Der hölzerne Tempel wird zu bestimmten Anlässen in verschiedene Viertel von Bhaktapur gewuchtet. Meist wird er von Kindern bzw. jungen Erwachsenen gezogen oder gehalten, wenn es auf den abschüssigen Straßen der Stadt bergauf oder bergab geht. Sobald der Wagen sich bewegt, wird die Menge fast extatisch und feiert jeden Meter.

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