Erfahrungen mit dem EL-Skyport HS für Nikon

1/400s, Blende 13, ISO 100
1/400s, Blende 13, ISO 100

Als Elinchrom letztes Jahr im Herbst den neuen Skyport HS vorstellte, war ich gerade im Himalaya unterwegs. Zurück im Kathmandutal bin ich dann beim Stöbern im Netz über diese Neuheit gestolpert, die mich sofort interessiert hat. Ich nutze seit Jahren Elinchrom Blitze und habe meinen großen Elinchrom Ranger RX in den letzten Jahren mit Pocketwizard Sendern/Empfängern angesteuert, was mit dem Ranger gut funktionierte. Die Idee, meine Studioblitze für drinnen und draußen nun mit ein und demselben Gerät ansteuern zu können und nun endlich mit einem Elinchrom Sender die Kurzzeitsynchronisation realisieren zu können, hat mir sehr gut gefallen, so dass ich mir das Gerät vor ein paar Wochen zugelegt habe und derzeit ausgiebig einteste. Neben einigen Porträt-Shootings war ich froh, das Gerät auch mit einem BMX Fahrer ausprobieren zu können (danke Denny), weil dort die Kurzzeitsynchronisation wirklich zeigen kann, wie gut sie funktioniert. Bei den schnellen Bewegungen und Drehungen auf dem Rad kommt man sehr schnell zu Unschärfen, zumal dann, wenn man mit der normalen Blitzsynchronzeit blitzt. Dann kann nämlich das Sonnenlicht selbst bei einem sehr schnell abbrennenden Blutz ausreichen, um Kantenunschärfen um den Biker entstehen zu lassen. Aber nun zurück zu dem Skyport HS.

Beim Auspacken kommt ein gut verarbeitetes Gerät mit großem Display zum Vorschein, das in seiner Größe etwa der SU800 von Nikon entspricht, mit der sich Nikon eigene Blitze per Infrarot ansteuern lassen. Mit der Verriegelung auf dem Blitzschuh der Kamera setzt sich eine Art Dichtlippe um den Blitzschuhe, eine feine Sache. Der Skyport HS Funksender (ohne TTL, was bei einem Sender für manuell zu regelende Studio- und Outdoorblitze ja auch nicht überrascht) erkennt nach einem Scan  die meisten Elinchrom Blitze der zurückliegenden Jahre und kann diese dann ansteuern (d.h. deren Leistung regeln). Die Blitzleistung sowie die Stärke des Einstelllichts neueres Geräte wie die BRX (noch nicht die BXri) sowie die D-Lite und ELC, ELB Blitze und die Quadra Hybrid kann zudem auf dem Display einzeln dargestellt werden, was den schnellen Überblick erleichtert. Man kann alle Geräte einzeln hoch- und runterregeln oder eben ein einzelnes Gerät auswählen.

Etwas ältere Geräte wie z.B. den BX250ri kann man regeln, bekommt die Werte aber nicht auf dem Display des Skyport HS angezeigt. Gleiches gilt für meinen Ranger RX, den ich zudem mit dem Funkempfänger Transceiver RX ergänzen musste, damit er vom neuen Skyport angesteuert werden kann. Ein Problem sehe ich daran nicht, da man nach dem ersten Probeschuss ja sieht, ob man den Blitz hoch- oder runterregeln muss und abschätzen kann, wie viel man nachregeln muss. Eine Leistungsstufe abzulesen, ist zwar fein, nimmt einem diese Entscheidung aber nicht ab.

Ich war gespannt, wie gut sich der Ranger RX mit S-Kopf beim Außeneinsatz schlagen würde, weil man gerade bei hellem Umgebungslicht schnell jenseits der 1/250s landet, wenn man nicht permanent auf sehr kleine Blenden abblenden will. Und ich war gespannt, ob sich im Handling und bei den Bildergebnissen relevante Unterschiede zur Funksteuerung mit den Pocketwizards ergeben. Zunächst ist es sinnvoll, die Kamera-Blitzkombination über die ODS Funktion noch etwas präziser aufeinander abzustimmen. Im Falle des Ranger RX und der Nikon D810 ergab sich, dass eine minimale Korrektur von 0,1 Millisekunde der optimale Wert zu sein scheint. Verglichen zu den Pocketwizards ist dann die Lichtausbeute höher bei gleichzeitig geringeren Helligkeitsverläufen.

Bei den ersten beiden Outdoor Shootings hat sich der Skyport HS bewährt. Die Funkauslösung funktioniert zuverlässig und auch bei größeren Distanzen. Zeiten bis zu einer 1/8000s lassen sich problemlos ansteuern. Bei sehr kurzen Zeiten ergibt sich, bedingt durch die Blitz Abbrennkurve, ein leichter Helligkeitsverlauf, der aber in der Bildbearbeitung einfach zu beheben ist und der bei Outdoor-Einsätzen zudem häufig gar nicht auffällt, weil die Szenerie ja gleichzeitig durch das vorhandene Dauerlicht belichtet wird. Neuere Elinchrom Geräte kann man so konfigurien, dass die Schritte bei der Leistungsregelung in 1/10 bzw. 1/3 oder 1/2 Blendenstufen erfolgen. Beim Ranger gibt es diese Option noch nicht, so dass man dort auf die 1/10 Blendenstufe Schritte festgelegt ist, was dann bedeutet, dass man relativ lange am Reglerrad des Skyport HS drehen muss, wenn man größere Leistungssprünge machen möchte. Das geht bei den neuen Blitzen eleganter, ist aber nicht dem Skyport Sender anzulasten, sondern dem Alter des Ranger RX geschuldet. Der Ranger RX gehört zu den Elinchrom Geräten, die am längstem am Markt sind. Ein Update wäre hier wirklich eine feine Sache, nicht nur wegen der oben angesprochenen besseren Integration in das neue Skyport HS System, sondern auch, weil dann vermutlich die Umstellung auf LiIon-Akkus erfolgen würde, was ein potentielles Nachfolgegerät bei gleicher maximaler Leistung leichter und evtl. auch kompakter machen dürfte.

Bei dem Outdoor Einsatz mit Denny und seinem BMX Bike war es leicht windig, so dass die Deep Octa 100 im Wagen blieb, die ich draußen ansonsten gerne ohne Diffusoren und mit Deflektor einsetze. Aber die große Box ist eben auch ein wunderbarer Windfang, so dass ich mich entschieden habe, den High Performance Reflektor (eine Art verlängerter Normalreflektor, der das Licht effizienter nutzt) einzusetzen. Dieser Lichtformer macht ein hartes, wirklich knackiges Licht, was hier in den Gegenlichtsituationen aber meines Erachtens ganz gut passt. Der einzige Nachteil einer solchen Blitzanlage mit stark gerichtetem Licht ist aber, dass Denny für seine Akrobatik auf dem Rad wirklich nur einen engen Bereich hatte, den wir i.d.R. vorab markiert haben.

1/1000s, Blende 10, ISO 125
1/1000s, Blende 10, ISO 125

Neben Sport- und Actionfotos, bei denen man kürzere Zeiten als die 1/250s benötigt, damit bei Blitzeinsatz und Sonnenlicht nicht durch das Sonnenlicht und die 1/250s Bewegungsunschärfen mit ins Bild kommen, gibt es einen zweiten Einsatzbereich draußen für HighSync. Stellt Euch vor, Ihr fotografiert ein Model im Gegenlicht und wollt sowohl die Gegenlichtsituation erhalten als auch den Hintergrund in sanfter Unschärfe halten. Für die Unschärfe benötigt man dann eine weit geöffnete Blende, die man draußen bei hellem Licht selbst mit der Basis-ISO und mit Blitz nur dann bekommen kann, wenn man kürzere Zeiten als die 1/250s wählen kann. Eine Aufnahme, die bei 1/250s und Blende 8 richtig belichtet wäre, würde bei Blende 2 schon 1/4000s benötigen sofern der Hintergrund genauso hell belichtet werden soll. Auch hierfür eignet sich HighSync ganz hervorragend und erlaubt so die Kombination aus Blitzlicht und Freistellung, wie sie lange Zeit Mittelformatkameras mit Zentralverschlussoptiken (die den Blitzeinsatz bei jeder Verschlusszeit erlauben) vorbehalten war.

Meine Aussagen zu HighSync sollten nicht auf jede Nikon+Elinchrom Kombination 1:1 übertragen werden. Ob  und wie gut das System funktioniert, hängt ganz entscheidend vom Kameraverschluss und der Abbrennzeit des Blitzes ab. Gerade schnell abbrennende Blitzköpfe (bei Elinchrom meist mit der Bezeichnung A oder Action) eignen sich nicht, weil deren Blitzabbrennkurve so steil und schnell verläuft, dass die Helligkeitsverläufe im fertigen Bild zu groß sind oder man schwarze Balken bekommt. Langsamer abbrennende Köpfe (bei Elinchrom die S oder Pro Köpfe) funktionieren meist ganz gut. Die besten Ergebnisse soll der sehr langsam abbrennende HS Blitzkopf zum ELB Generator mit 424WS haben. Mangels eigener Erfahrung kann ich dazu noch nichts sagen. Meine Aussagen beziehen sich auf den Ranger RX mit S-Kopf und die 810. Diese Kombination funktioniert gut.

Meine Studioblitze (BX250ri und RXone) haben kürzere Abbrennzeiten, so dass sie weniger gut jenseits der 1/250s funktionieren, was im Studio aber auch nicht tragisch ist. Bis zu einer 1/500s bleiben die Helligkeitsverläufe kaum wahrnehmbar, so dass zumindest etwas mehr Spielraum für offenblendige Aufnahmen entsteht. Wer im Studio mit der HighSync Funktion arbeiten möchte, sollte auch dort einen Kopf mit langsamer Abbrennzeit wählen (laut Elinchrom eignet sich da der Dlite 4 mit 400WS am besten).

Auf der Elinchrom Homepage findet sich eine Auflistung von Kameras und Blitzen, die mit der HS Funktion kompatibel sind. Meine D600 gehört leider nicht zu den unterstützten Geräten. Und dennoch habe ich das einfach mal versucht. Die Helligkeitsabfälle sind mit der D600 deutlich ausgeprägter als mit der D810, dennoch bin ich persönlich der Meinung, dass auch die D600 einen Einsatz bis etwa zu einer 1/1000s zulässt, wenngleich dann ein etwas höherer Aufwand bei der Nachbearbeitung anfällt.

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