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Nikon Z 14-24mm 2.8 S - first impressions

Als Nikon das neue 14-24mm in seiner Roudmap für die Z Objektive ankündigte, war ich eigentlich gar nicht sonderlich interessiert. Vermutlich, weil ich mit einer Konstruktion rechnete, die dem alten F-Mount 2,8/14-24mm nicht unähnlich war und damit eine große und stark gewölbte Frontlinse aufweist. Dann aber kamen bei Nikonrumors vor etwa einem Jahr die ersten Bilder der Linse, und ich wurde neugierig. Denn dort sah die Frontlinse deutlich flacher aus, was den Einsatz von Filtern einfacher machen könnte. Und in der Tat erlaubt das neue Nikon Z 14-24mm den Einsatz von Schraubfiltern, allerdings mit einer Filtergröße von 112mm. Die zweite Überraschung auf dem Datenblatt war das Gewicht, dass mit etwa 660 Gramm deutlich leichter als bei seinem F-Mount Vorgänger ausfällt. Da ich mit den neuen Nikon Objektiven für die Z Kameras sehr zufrieden bin (derzeit nutze ich das 1.8/50mm und das 1.8/85mm) und ein Frankfurter Fotohändler das neue Objektiv überraschenderweise schon im Laden hatte, habe ich es nach kurzem Test vor Ort spontan mitgenommen. Maße und Handling an der Z6 fand ich vom ersten Moment an sehr stimmig, doch dazu gleich noch mehr.

Verarbeitung: Nikon typisch wirkt auch das neue Z 14-24mm recht schlicht äußerlich, die Linien und das Design sind klar. Zwar wirken die Hammerschlag Nikkore aus den 90ern und frühen 2000ern äußerlich robuster, allerdings wiegen sie auch deutlich mehr. Der Materialmix aus hochwertigen Kunststoffen und Metall ist beim neuen Nikkor Z gut gelungen, es schlabbert und knarzt nichts, die Gegenlichtblenden (! es gibt zwei davon !) rasten sauber ein und haben einen kleinen Knopf zum Entriegeln, so dass die Gefahr, dass sie verloren gehen, deutlich minimiert ist. Einzig der Bereich am Bajonett mit seinem etwas glänzenden Lack wirkt ein bisschen wie ein Fremdkörper, ein mattes Schwarz hätte besser zum Rest des Objektivs gepasst, aber das ist wohl Erbsenzählerei. Das Objektiv besitzt 3 Ringe, eine Funktionstaste und ein Display. Mit dem hinteren Ring kann man die Blende verstellen, eine +/- Korrektur vornehmen oder den ISO Wert verstellen, je nachdem, was man im Kameramenü aktiviert hat. Beim Display kann man sich Brennweite, Entfernungsskala oder Blendenwert anzeigen lassen. Mal schauen, ob das insbesondere bei der Fotografie nachts Vorteile bringt. Der Zoomring läuft nicht ganz so weich wie der Scharfstellring, aber ich kann mir gut vorstellen, dass der mit der Zeit auch noch weicher wird.

Für das Objektiv liefert Nikon zwei Gegenlichtblenden mit, eine kleinere Standardblende und eine größere, in die ein 112mm Filtergewinde eingelassen ist, so dass man das Objektiv auch mit Schraubfiltern verwenden kann, was es deutlich von seinem Vorgänger für F-Mount abhebt. Für Fans von Steckfiltern sei aber gesagt, dass die ersten Filterhalter für das Z 14-24mm gerade vorgestellt wurden (z.B. NISI für 100mm Steckfilter).

Die Objektivlänge verändert sich beim Zoomen nicht, allerdings fährt die Frontlinse im Gehäuse etwas vor und zurück.

Gegenlichtverhalten und Blendensterne: Leider war es in Frankfurt neblig und trist. Klassisches Novembergrau. Nicht mal die Spitzen der Skyline waren zu sehen, sondern verschwanden in einer grauen Suppe, so dass ich, anders als geplant, nicht in Frankfurt fotografiert habe, sondern den Heimweg mit einem kurzen Zwischenstop am Marburger Schloss angetreten bin. Dort habe ich ein paar erste Bilder vom beleuchteten Schloss im Nebel machen und dabei erste Erfahrungen mit dem Objektiv sammeln können. Auffällig war sofort, die geringe Refelxneigung und damit das gutmütige Gegenlichtverhalten des Objektivs. Die Strahler um das Schloss haben keine Reflexe erzeugt, auch wenn die Kamera direkt auf sich gerichtet war. Da hatte ich mit dem alten 2.8/14-24mm oder auch anderen starken Weitwinkeln wie dem AF-S 18-35mm, dem Tokina 2,8/16-28mm und dem Tamron 2.8/15-30 deutlich mehr Probleme. In Sachen Gegenlichtverhalten sehe ich das Objektiv etwa auf gleichem Niveau wie das Zeiss ZF 2.8/21mm oder das Nikon AF-S 1.8/20mm, was für ein Zoomobjektiv ein sehr überzeugendes Ergebnis ist. Auch die Blendensterne sind schöner als beim Vorgänger für F-Mount, kommen aber nicht an meine Referenz bei den Nikon Weitwinkeln, das AF-S 1.8/20mm heran. Die einzelnen Strahlen sind beim Z 14-24mm etwas weniger klar abgezeichnet. Insgesamt aber eine wirklich gute Performance. Mein vorläufiger Eindruck ist der, dass die Blendensterne um so klarer werden, je weiter man in den Ultraweitwinkelbereich kommt.

Schärfe und chromatische Aberration: Als Nikon 2009 das AF-S 14-24mm zusammen mit der Nikon D3 vorstellte, war relativ schnell klar, dass dieses Objektiv den Nerv der Zeit getroffen hatte. Top verarbeitet, scharf und lichtstark wurde das Objektiv schnell zu einer modernen Legende, zumal es Wegbereiter für den Trend zu lichstarken Ultraweitwinkelzooms war. Die Messlatte für das neue Objektiv liegt also hoch. Und ich kann durchaus sagen, dass Nikon hier seine Hausaufgaben sehr gut erledigt hat. Schon offen sind sowohl Mitte als auch insbesondere die Ränder richtig gut (Testkamera: Z6, 24 Megapixel) und ich habe keine Zweifel, dass das Objektiv auch an der Z7 mit 45 Megapixel absolut überzeugen wird. Ich konnte die Leistung mit dem Nikon AF-S 1.8/20mm und dem Irix Blackstone 2.4/15mm vergleichen, die ich beide an der Z6 und der D850 nutze. An der Z6 ist das neue Nikon Z in Sachen Auflösung besser als die beiden anderen Objektive, so dass ich davon ausgehe, dass das Z 14-24mm auch an einer Z7 besser sein wird als die beiden vorgenannten an der D850 (die ja die gleiche Sensorauflösung wie die Z7 hat).

Die chromatische Aberation ist gut korrigiert, wobei da durchaus auch die Software in der Kamera eine Rolle spielen kann. Nikon rechnet den Farbquerfehler ja schon seit längeren aus den Bildern heraus und hinterlegt zudem bei Nikon Objektiven neueren Datums zudem ein Korrekturprofil in der RAW Datei. Das funktioniert gut, so dass ich bei Bildern im Wald (Äste ohne Laub vor hellem Himmel) keine Auffälligkeiten bermerkt habe.

Farbe und Kontrast: Die Z Nikkore, die ich bislang besitze zeigen in Sachen Farben ein vergleichbares Verhalten. Schön gesättigt mit feinen Abstufungen und guten Schwarzwerten, insbesondere auch bei Gegenlicht. Dies scheint ein Ergebnis der neuen Vergütungen zu sein und erinnert mich etwas an die Farbcharakteristika der Zeiss ZF Objektive, was ich durchaus gut finde.

Bokeh: Weitwinkelobjektive sind vermutlich nicht die erste Wahl für Fotografen, die auf der Suche nach einem weichen Hintergrund sind. Dennoch ist es interessant, hier mal so schauen, wie ruhig oder unruhig der Hintergrund bei Offenblende wird. Dafür habe ich im Wald etwas Herbstlaub fotografiert und mir dann Laub und Äste im Hintergrund angeschaut. In diesem Bereich ist das Nikon Z etwas unruhiger als zum Beispiel das Nikon AF-S 20mm oder das Irix. Insgesamt eine ordentlich Leistung, gerade für ein Zoom mit Asphären, aber "nothing to write home about it". Was aber absolut überzeugt, ist die Schärfe im Nahbereich selbst bei Offenblende.

vorläufiges Fazit: Mein erster Eindruck ist der, dass Nikon hier ein großer Wurf gelungen ist. Schärfer, insbesondere im Randbereich, als der Vorgänger, deutlich bessere Kontrolle der chromatischen Aberationen und dabei handlicher und mit der Möglichkeit versehen, Schraubfilter zu verwenden. Beim Gegenlichtverhalten deutlich unempfindlicher in Sachen Reflexneigung und tolles Farb- und Kontrastverhalten.

Ich bin gespannt auf die ersten Sternenaufnahmen. Zwar ist derzeit gerade Neumond, doch leider sind für die kommenden Tage ordentlich Wolken gemeldet.

Sobald ich weitere Erfahrungen mit dem Objektiv machen konnte, gebe ich die hier gerne weiter. ;-)